Der Lehrstuhl für International Business, Society and Sustainability trauert um Prof. Dr. Walther L. Bernecker, der zu den herausragendsten deutschen Hispanisten seiner Generation zählte. Seine analytische Strenge, seine Klarheit in der Darstellung und seine didaktische Vermittlung führten dazu, dass nicht nur seine Werke internationale Referenzpunkte wurden, sondern auch seine Lehrveranstaltungen und Vorträge sowohl von Studierenden als auch vom breiten Publikum außerordentlich geschätzt wurden. Sein Tod ist ein großer Verlust für die internationale Hispanistik und für die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
Von 1992 bis 2014 war Prof. Dr. Walther L. Bernecker Inhaber des Lehrstuhls für Auslandswissenschaften (romanischsprachige Kulturen). Darüber hinaus war er von 1996 bis 1998 Prodekan und von 1998 bis 2001 Dekan des Fachbereichs Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Im Verlauf seiner langen Tätigkeit an der FAU förderte er intensiv die Beziehungen zu Lateinamerika und die Vermittlung romanischer Sprachen auf herausragende Weise. Über viele Jahre gehörte er dem Vorstand des Sprachenzentrums an und bekleidete den Vorsitz des Kuratoriums des Instituts für Fremdsprachen und Auslandskunde. Zudem spielte er eine zentrale Rolle bei der Gründung des Bayerischen Hochschulzentrums für Lateinamerika (BAYLAT) und war von der Gründung 2007 bis 2009 dessen Präsident und Sprecher und danach stellvertretendes Mitglied des Direktoriums.
Auch nach seiner Emeritierung setzte er seine akademische Arbeit und sein Engagement für die wissenschaftliche Vermittlung fort und pflegte die Zusammenarbeit mit den Lehrstühlen, die ihm folgten: zunächst dem Lehrstuhl für International Business and Society Relations mit Schwerpunkt Lateinamerika, später dem Lehrstuhl für International Business, Society and Sustainability. Besonders hervorzuheben sind seine Beiträge zur Entwicklung von Lehrmaterialien in einem 2020 von Julia Herrmann und Jaime León González koordinierten Projekt sowie die Betreuung seiner letzten Doktorarbeit (Jaime L. G.), die im vergangenen Jahr erfolgreich abgeschlossen wurde.
Geboren am 17. Juli 1947 in Dollnstein, studierte Walther Ludwig Bernecker Geschichte, Germanistik und Hispanistik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Nach seiner wissenschaftlichen Ausbildung und weiteren akademischen Stationen kehrte er als Ordinarius an seine Alma Mater zurück, der er bis zu seiner Emeritierung im Sommersemester 2014 verbunden blieb.
Die wissenschaftlichen Arbeiten Berneckers konzentrierten sich auf die Geschichte Spaniens im 19. und 20. Jahrhundert, insbesondere auf den Spanischen Bürgerkrieg, den Franquismus und die demokratische Transition. Darüber hinaus widmete er sich der deutschen und europäischen Zeitgeschichte, den euro-iberoamerikanischen Beziehungen sowie Fragen der Erinnerungskultur. Prof. Dr. Walther L. Bernecker verband quellenbasierte Forschung mit vergleichenden Perspektiven und leistete grundlegende Beiträge zur internationalen Historiographie.
Sein umfangreiches wissenschaftliches Werk umfasst mehr als 100 selbstständige Publikationen sowie über 500 Beiträge in Fachzeitschriften, Sammelbänden und Enzyklopädien. Viele seiner Monographien und Herausgeberwerke gelten als Standardwerke und haben die historische Forschung weit über den deutschsprachigen Raum hinaus nachhaltig beeinflusst.
Im Jahr 2024 erschien seine letzte Monographie unter dem Titel Juan Carlos I., König von Spanien: Ein biographisches Porträt. Darin verband er historische Analyse mit kritischer Distanz und zeichnete ein differenziertes Bild der politischen und persönlichen Rolle des spanischen Monarchen während der Transition zur Demokratie und in den folgenden Jahrzehnten.
Das wissenschaftliche Wirken von Prof. Dr. Walther L. Bernecker wurde mit zahlreichen nationalen und internationalen Auszeichnungen gewürdigt, darunter mit dem Orden Isabel la Católica, den er 2007 aus der Hand des spanischen Königs Juan Carlos I. erhielt, dem Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2009, verliehen durch Bundespräsident Horst Köhler, sowie dem Orden Alfonso X el Sabio im Jahr 2012.
Dank seiner geistigen Schärfe und vor allem seines offenen, warmherzigen und humorvollen Wesens genoss er bei seinen Kollegen, national wie international, tiefen Respekt und große Wertschätzung. Als für uns unverzichtbarer Mentor waren seine Ratschläge stets von unschätzbarem Wert. Mit seinem Wirken hinterlässt er ein bleibendes, unvergessliches Vermächtnis, das uns weiterhin inspiriert; wir werden ihn zutiefst vermissen und sein Andenken in Ehrfurcht und Dankbarkeit bewahren.
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2/2Für den Lehrstuhl: Jaime León González
